Ein Übertritt im Düsseldorfer Schauspielhaus: Theater an der Schwelle der Zeitenwende


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Ein Übertritt: Elfriede Jelineks sprachgewaltige Zeitenwende im Düsseldorfer Schauspielhaus
Am Sonntag, dem 22. November 2026, führt Ein Übertritt das Publikum im Kleinen Haus des Düsseldorfer Schauspielhauses an eine Schwelle zwischen Geschichte, Gegenwart und menschlicher Verwandlung. Elfriede Jelineks neues Schauspiel entfaltet unter der Regie von Jossi Wieler einen scharfzüngigen Gedankenstrom über Kriege, politische Umbrüche und den rastlosen Wunsch des Menschen, aus der eigenen Unmündigkeit herauszutreten.
Eine Inszenierung zwischen Mythos und Gegenwart
Jelineks Text kreist um Übergänge: von der nationalsozialistischen Herrschaft zur Demokratie, von Gewalt zu Vernunft und von historischen Hoffnungen zu den Ernüchterungen der Gegenwart. Die Dramaturgie verbindet antike Mythen mit politischen und gesellschaftlichen Erfahrungen des 21. Jahrhunderts. Sprache wird dabei zum eigentlichen Bühnenbild: Sie springt, verdichtet sich, widerspricht sich und legt verborgene Denkbewegungen frei.
Jossi Wieler und die Kunst der sprachlichen Verwandlung
Regisseur Jossi Wieler bringt das Stück in Düsseldorf zur Uraufführung. Seine vielfach ausgezeichnete Arbeit mit Texten von Elfriede Jelinek steht für eine präzise, körperliche und musikalische Schauspielkunst, in der Sprachrhythmus, Pausen und Blicke eine eigene Dramaturgie entwickeln. Gemeinsam mit Bühnen- und Kostümbildnerin Anna Viebrock entsteht ein Theaterraum, der historische Schichten sichtbar macht und zugleich offen für die Unruhe der Gegenwart bleibt.
Ein Bühnenerlebnis voller Reibung
Die Inszenierung verspricht kein geradliniges Erzähltheater, sondern ein konzentriertes Bühnenerlebnis aus Sprachbildern, Verwandlungen und gedanklichen Übertritten. Die Schauspielerinnen und Schauspieler Ole Lagerpusch, Dominik Dos-Reis, Katja Bürkle und Stefan Hunstein führen durch eine Welt, in der Friedensrhetorik, Kriegsbilder und menschliche Selbsttäuschung aufeinanderprallen. Akustik, Lichtstimmung und die präzise gesetzte Körperlichkeit der Darsteller verleihen dem Abend eine gespannte Theateratmosphäre.
Zwischen Fortschrittsglauben und düsterer Vorahnung
Der Theaterverlag beschreibt Ein Übertritt als heiter-pessimistischen Abgesang auf den Fortschrittsglauben. Jelineks Sprachkunst hält der Gesellschaft einen schillernden, unbequemen Spiegel vor: Die ersehnte Zeitenwende erscheint nicht als Erlösung, sondern als brüchiger Vorgang, der neue Widersprüche hervorbringt. Gerade darin liegt die besondere Kraft dieser Schauspielproduktion: Sie fordert Aufmerksamkeit, ohne einfache Antworten zu liefern.
Fazit: Ein Abend für wache Blicke und offene Ohren
Besucherinnen und Besucher erwartet eine intensive Inszenierung zeitgenössischer Bühnenkunst, in der Schauspiel, Regie und Sprachdramaturgie zu einem elektrisierenden Gedankenraum verschmelzen. Wer Theater als Ort gesellschaftlicher Auseinandersetzung und sinnlicher Erfahrung erleben möchte, findet in Ein Übertritt einen Abend voller Reibung, Nachhall und überraschender Perspektivwechsel.
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