Ein Übertritt in Düsseldorf: Elfriede Jelineks Schauspiel als eindringliche Sprachkunst

Event: Ein Übertritt in D’haus Düsseldorfer Schauspielhaus, Kleines Haus, Gustaf-Gründgens-Platz 1, 40211 Düsseldorf on 15. November 2026

Datum und Uhrzeit

15. November 2026 16:00 Uhr

Veranstaltungsort

Düsseldorf
40 Düsseldorf, Deutschland

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Ein Übertritt: Elfriede Jelineks sprachkritische Weltbefragung in Düsseldorf

Am 15. November 2026 bringt das Düsseldorfer Schauspielhaus Elfriede Jelineks Schauspiel Ein Übertritt auf die Bühne. Die Inszenierung von Jossi Wieler verbindet sprachliche Kunstfertigkeit, historische Reflexion und finsteren Witz zu einem Theaterabend über Verwandlung, Gewalt und die fragile Grenze zwischen Menschlichkeit und Unwesen.

Eine neue Dramaturgie des Menschlichen

Jelineks Text fragt nach dem menschlichen Wesen und nach den Kräften, die es in andere Formen überführen. Tiere werden zu Menschen, Menschen zu Bestien, Geister und Wiedergänger gewinnen neue Handlungsmacht. Zwischen Mythos, politischer Gegenwart und deutscher Erinnerungskultur entfaltet sich eine vielstimmige narrative Struktur, die vertraute Gewissheiten unter Spannung setzt.

Sprache als Seismograf der Geschichte

Ein Übertritt entstand zum 80. Jahrestag des Endes des Zweiten Weltkriegs. Jelinek untersucht Übergänge von Diktatur zu Demokratie, von Demokratie zu Diktatur, von Krieg zu Frieden und von Frieden zu Krieg. Ihre Sprachkunst legt historische Ablagerungen frei und macht sichtbar, wie eng politische Begriffe, kollektive Erinnerung und menschliches Verhalten miteinander verbunden bleiben.

Jossi Wieler inszeniert Elfriede Jelinek

Jossi Wieler zählt zu den profilierten Regisseuren der Jelinek-Rezeption. In Düsseldorf arbeitet er erneut mit der Bühnen- und Kostümbildnerin Anna Viebrock zusammen. Auf der Bühne stehen Katja Bürkle, Dominik Dos-Reis, Stefan Hunstein und Ole Lagerpusch. Musik von Friederike Bernhardt, Licht von Christian Aufderstroth und die Dramaturgie von Victor Schlothauer verdichten das literarische Theaterereignis.

Jelinek im Kontext: Gedichte von Paul Celan

Die Vorstellung am 15. November wird durch eine Lesung im Anschluss ergänzt. Ensemblemitglied Stefan Hunstein liest Gedichte von Paul Celan und schlägt damit einen Bogen von Jelineks historisch aufgeladenem Text in die lyrische Erinnerungskultur der deutschsprachigen Literatur. Der Abend erweitert die Lesungs-Atmosphäre um eine konzentrierte Autor-Begegnung mit den sprachlichen Nachwirkungen des 20. Jahrhunderts.

Ein Theaterabend zwischen Gegenwart und Erinnerung

Die Lesung und Aufführung versprechen kein bequemes Deutungsschema, sondern ein intensives literarisches Erlebnis. Jelineks präzise, assoziative Sprache trifft auf eine Regie, die politische Geschichte als gegenwärtige Erfahrung lesbar macht. Wer sich für Gegenwartstheater, Sprachkritik und die kulturelle Bedeutung literarischer Erinnerung interessiert, erlebt im Kleinen Haus einen Abend von hoher literarischer Qualität.

Fazit

Ein Übertritt führt mitten in die widersprüchlichen Bewegungen unserer Zeit: Verwandlung und Verhärtung, Erinnerung und Verdrängung, Krieg und Friedenssehnsucht. Die Vorstellung im Düsseldorfer Schauspielhaus verbindet Schauspiel, Sprachkunst und eine anschließende Celan-Lesung zu einem außergewöhnlichen Theaterabend. Literatur- und Theaterinteressierte erleben diese Inszenierung am eindringlichsten live im Kleinen Haus.

Offizielle Kanäle von Elfriede Jelinek:

Quellen:

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