Elfriede Jelineks Ein Übertritt feiert Uraufführung im Düsseldorfer Schauspielhaus


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Elfriede Jelineks „Ein Übertritt“ als Uraufführung in Düsseldorf
Am 22. Oktober 2026 erlebt Elfriede Jelineks neues Schauspiel „Ein Übertritt“ seine Uraufführung im Kleinen Haus des Düsseldorfer Schauspielhauses. Die Inszenierung von Jossi Wieler führt in eine sprachlich hochkonzentrierte Welt, in der sich historische Erfahrung, politische Gegenwart und die Frage nach der Verwandlung des Menschen ineinander verschränken.
Sprachkunst zwischen Geschichte und Gegenwart
Jelineks Prosa-Gedicht nimmt Deutschland im „Jahre Null“ nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs zum Ausgangspunkt. Der titelgebende Übertritt bezeichnet dabei nicht nur den Wechsel von der nationalsozialistischen Herrschaft zur Demokratie. Im Zentrum steht vielmehr die ernüchternde Erkenntnis, dass politische und gesellschaftliche Verwandlungen selten als befreiende Zeitenwende verlaufen.
Mit ihrem charakteristischen assoziativen Stil spannt Elfriede Jelinek einen weiten Bogen von antiken Mythen bis in das 21. Jahrhundert. Sprachliche Zitate, historische Bruchstücke und Gegenwartsbeobachtungen verdichten sich zu einer vielstimmigen Narration. Der Text fragt nach Fortschritt, Vernunft und der wiederkehrenden Gewalt in menschlichen Ordnungen.
Jossi Wieler inszeniert Jelineks sprachliches Unbewusstes
Regisseur Jossi Wieler gehört zu den maßgeblichen Interpreten von Jelineks Theatertexten. Seine wiederholte Zusammenarbeit mit der Autorin zeichnet sich durch eine präzise Aufmerksamkeit für Rhythmus, Überlagerung und die theatrale Kraft des gesprochenen Wortes aus. In „Ein Übertritt“ rückt die Inszenierung die Verwandlungen und Verwechslungen des menschlichen Wesens ins Zentrum.
An seiner Seite arbeitet die vielfach profilierte Bühnen- und Kostümbildnerin Anna Viebrock. Gemeinsam entsteht ein Theaterraum, in dem Sprache, Körper und Ausstattung eine spannungsreiche Verbindung eingehen. Das Ensemble mit Ole Lagerpusch, Dominik Dos-Reis, Katja Bürkle und Stefan Hunstein begegnet Jelineks Text mit schauspielerischer Präzision und hoher sprachlicher Präsenz.
Ein heiter-pessimistischer Blick auf den Menschen
„Ein Übertritt“ verbindet politische Analyse mit schwarzem Humor und einer tiefen Skepsis gegenüber dem Fortschrittsglauben. Jelineks literarische Qualität liegt in der Fähigkeit, vertraute Gewissheiten durch sprachliche Verschiebungen aufzubrechen. Die Bühnenfassung macht hörbar, wie Geschichte in der Gegenwart fortwirkt und wie schnell sich gesellschaftliche Zustände erneut verändern können.
Das literarische Erlebnis richtet sich an ein Publikum, das zeitgenössisches Sprechtheater, politische Dramatik und anspruchsvolle Sprachkunst schätzt. Die Lesungs-Atmosphäre einer reinen Buchpräsentation weicht hier der unmittelbaren Autor-Begegnung mit einem Theatertext, der erst im Zusammenspiel von Stimme, Körper und Raum seine volle Wirkung entfaltet.
Fazit: Eine Uraufführung mit hoher literarischer Spannung
Besucherinnen und Besucher erwartet ein konzentrierter Theaterabend über historische Übergänge, politische Verwandlungen und die fragilen Versprechen der Vernunft. Elfriede Jelineks „Ein Übertritt“ verbindet kulturelle Erinnerung mit einem scharfen Blick auf die Gegenwart. Wer die sprachliche Radikalität der österreichischen Literaturnobelpreisträgerin live erleben möchte, findet in Düsseldorf eine besondere Gelegenheit.
Offizielle Kanäle von Elfriede Jelinek:
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- Verlag: https://www.rowohlt-theaterverlag.de/theaterstueck/ein-uebertritt-8885










