ANGELS OF ANARCHY im tanzhaus nrw: Tanztheater zwischen Grenze und Gemeinschaft


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ANGELS OF ANARCHY: Wenn der Körper die Grenze verschiebt
Im tanzhaus nrw Düsseldorf erlebt das Publikum mit ANGELS OF ANARCHY eine Uraufführung zwischen zeitgenössischem Tanz, House Dance, Spoken Word und Live-Musik. Zentimeter um Zentimeter verschiebt sich die Grenze: Sieben Performer*innen begegnen einer Gegenwart, in der Räume besetzt, Wahrheiten verdreht und Beziehungen durch Kontrolle geprägt werden.
Eine Inszenierung über Angst, Aneignung und Gemeinschaft
Stephanie Thiersch entwickelt mit MOUVOIR eine körperlich und musikalisch vielschichtige Bühnenarbeit. Die Dramaturgie spannt den Bogen von kleinen Auseinandersetzungen am Gartenzaun bis zu großen Gesten der Aneignung. Angst wird dabei nicht nur thematisiert, sondern als gesellschaftlicher Rhythmus erfahrbar, der Körper, Stimmen und Bewegungen ordnet.
House Dance trifft auf zeitgenössische Bühnenkunst
Die Inszenierung bringt Vertreter*innen der House-Dance-Szene und des zeitgenössischen Tanzes in eine spannungsvolle Resonanz. House-Musik, entstanden in Schwarzen und queeren Communities Chicagos und New Yorks, erscheint als Praxis gemeinschaftlicher Neubildung. Bewegung wird zur Sprache, der Bühnenraum zum sozialen Versuchsfeld.
Stimmen, Klangwelten und eine markante Textdramaturgie
Kathrin Rögglas zeitdiagnostische Texte über Vorstadtgärten und Rassismen treffen auf elektronische Klangwelten, Vokaltechniken und die musikalischen Archive von Monthati Masebe. Die Komposition verbindet traditionelle südafrikanische Instrumente mit Live-Elektronik und geloopten Kehlkopf-Stimmen. So entsteht eine Akustik, in der Grenzen zwischen Afro-Klassik und Afro-Elektronik, Vergangenheit und Gegenwart, Körper und Klang ins Wanken geraten.
Ein transkulturelles Bühnenerlebnis
Die Regie, das Bühnenbild und die choreografische Anlage von Stephanie Thiersch setzen auf Übergänge, Reibung und Überlagerung. Ihre Arbeiten erforschen Formen der Vergemeinschaftung zwischen unterschiedlichen Körpern, kulturellen Erfahrungen und künstlerischen Praktiken. In ANGELS OF ANARCHY wird diese Haltung zu einer intensiven Bühnenhandlung: Die Performer*innen teilen keinen fertigen Konsens, sondern erproben Gemeinschaft immer wieder neu.
Erfahrene Künstlerinnen und Künstler im Dialog
Stephanie Thiersch wurde unter anderem mit dem deutschen Tanzfilmpreis ausgezeichnet und für den Tabori- sowie den FAUST-Preis nominiert. Monthati Masebe versteht Klang als ancestral technology, als Technologie der Ahnen, und verbindet musikalisches Erbe mit queerer Gegenwart. Kathrin Röggla zählt zu den profilierten deutschsprachigen Autorinnen für Theater, Prosa und Hörspiel. Ihre Arbeiten waren unter anderem beim Berliner Theatertreffen und bei den Mülheimer Theatertagen zu sehen.
Fazit: Ein Abend zwischen Widerstand und Zusammenklang
Das Publikum erwartet ein konzentriertes Bühnenerlebnis von etwa 70 Minuten, getragen von House Dance, zeitgenössischer Choreografie, Spoken Word und Live-Musik. Die Aufführung findet in deutscher, englischer und französischer Sprache mit Übertiteln statt und richtet sich an Besucher*innen ab 14 Jahren. Laute Musik sowie Texte über Gewalt gegen Frauen und Minderheiten gehören zur künstlerischen Setzung. Wer erleben möchte, wie Tanz gesellschaftliche Grenzen sichtbar macht und zugleich neue Formen des Miteinanders erprobt, findet in Düsseldorf einen außergewöhnlichen Theaterabend.
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