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Viertelfinale gegen Berlin im Fokus

DHC-Frauen vor dem Viertelfinale: Warum jetzt die Abwehr über Bonn entscheidet

Für die Hockey-Frauen des DHC beginnen jetzt die Wochen, in denen eine Saison kippen kann – nach oben ins Final Four nach Bonn oder abrupt in die Sommerpause. Düsseldorf geht als Dritter der Vorrunde in die Viertelfinalserie gegen den sechstplatzierten Berliner HC, zunächst auswärts, eine Woche später folgt das Rückspiel zu Hause. Die Rechnung ist simpel und zugleich gnadenlos: Zwei Siege bedeuten den Einzug ins Final Four, zwei Niederlagen das Saisonende.

Die Ausgangslage spricht für den DHC – aber nur auf dem Papier

Die Vorrunde liefert Argumente für Düsseldorf: Beide Duelle mit Berlin gingen an den DHC (2:1 und 2:0). Doch aus Sicht der Düsseldorferinnen ist das kein Freifahrtschein, sondern eher eine Erinnerung daran, wie eng die Partien waren. Trainer Frank Franssen lehnt eine komfortable Favoritenrolle ab. „Ich sehe es nicht so, dass wir zwangsläufig Favorit sind. Die Spiele gegen Berlin waren in der Vorrunde nicht die einfachsten.“ Und er schiebt die zentrale Botschaft hinterher: „Das Weiterkommen ist alles andere als selbstverständlich.“

Berlin bringt zudem seinen eigenen Nachweis von Qualität mit: In dieser Saison fügten die Berlinerinnen dem Mannheimer HC die einzige Niederlage zu – ein Ergebnis, das zeigt, dass der Außenseiter in dieser Serie nicht nur stören, sondern Spiele drehen kann. Auch BHC-Trainer Casper von Quadt stellt sich auf ein Duell ohne Sicherheitsnetz ein: „Wir haben nun einen starken Gegner. Der DHC wird sich aber auch nicht über uns freuen. Ich erwarte enge Spiele.“

Genau darin liegt die psychologische Dynamik: Die Last des Gewinnenmüssens liegt eher bei Düsseldorf. Die bessere Vorrundenplatzierung erhöht die Erwartungshaltung – und in einer Serie, in der Details entscheiden, kann diese Erwartung zum zusätzlichen Gegner werden.

Sportlich ist der Weg ebenfalls klar abgesteckt: Gewinnt der DHC Hin- und Rückspiel, steht das Ticket für Bonn. Gewinnt jedes Team einmal, fällt die Entscheidung in einem dritten Spiel in Oberkassel.

Warum die Abwehr wieder zum Schlüsselfaktor wird

Der DHC hat sich seine Position in der Spitzengruppe seit Jahren über ein stabiles Fundament erarbeitet: defensive Kontrolle, klare Abläufe gegen den Ball, Geduld in engen Phasen. Auch für diese Serie bleibt das der Ausgangspunkt. Franssen formuliert es als Prinzip: „Wir spielen unser eigenes Spiel, mit kleinen Anpassungen an den Gegner. Am Ende geht es darum, unser Spiel durchzusetzen.“

Nur: Ein Viertelfinale wird selten allein mit Sicherheit gewonnen. Franssen benennt die Balance-Frage offen: „In der Vergangenheit war unsere Defensivstärke Basis für die Erfolge. Wir dürfen aber das offensive Hockey darüber nicht vernachlässigen.“ Das passt zur Statistik der Vorrunde: Unter den ersten vier Teams erzielte Düsseldorf die wenigsten Treffer. Die Abwehr ist also das verlässliche Argument – die Effizienz im Abschluss der Bereich, in dem das größte Potenzial liegt.

Gerade gegen Berlin kann diese Schere gefährlich werden. Die beiden Vorrundensiege waren knapp genug, um zu zeigen, wie wenig Spielraum existiert, wenn die Chancenverwertung nicht passt. Der DHC verfügt zwar auch in der Offensive über Spielerinnen mit Nationalmannschaftsformat, doch in K.o.-Spielen zählt weniger das Etikett als die Konsequenz in den wenigen Momenten, in denen der Gegner wackelt.

Wenn Düsseldorf die Serie kontrollieren will, muss die Mannschaft ihr gewohntes Defensivniveau bestätigen – und zugleich aus dieser Stabilität heraus mehr Klarheit im letzten Drittel erzeugen: schneller in den Kreis, entschlossener beim Abschluss, kühler in den Phasen, in denen ein Tor den Rhythmus der Partie verändert.

Trainerwechsel kurz vor der heißen Saisonphase

Eine zusätzliche Ebene bekommt das Viertelfinale durch die Situation an der Seitenlinie. Frank Franssen ist erst seit wenigen Wochen Chefcoach der DHC-Frauen. Sein Vorgänger Steven van Tijn und der Klub trennten sich mit sofortiger Wirkung „im gegenseitigen Einvernehmen“ und aufgrund unterschiedlicher Ansichten.

Für eine Mannschaft in der K.o.-Phase ist ein Trainerwechsel immer ein Test: Bleibt der Alltag stabil, sind Rollen und Abläufe klar, greift der Plan auch unter Druck? Der DHC setzt erkennbar auf Kontinuität im Prozess. „Ziel ist es, den Trainingsalltag und die Vorbereitung auf die kommenden Spiele so reibungslos wie möglich fortzusetzen.“ Franssen beschreibt die unmittelbare Arbeit als gemeinsamen, sehr konkreten Austausch mit dem Team: „Wir haben uns mit den Mädels zusammengesetzt und beratschlagt, was zu tun ist, um es nach Bonn zu schaffen: Müssen wir umstellen? Wie müssen wir uns organisieren, um erfolgreiches Hockey zu spielen?“

Dass die Trainerfrage für die kommende Saison noch offen ist, schiebt Düsseldorf für den Moment beiseite – zumal Franssen ab Sommer wieder vollständig in seine Aufgabe als sportlicher Leiter Jugend zurückkehren soll. Entscheidend ist jetzt, ob die Mannschaft in dieser Übergangssituation schnell genug eine klare K.o.-Identität findet.

Unterm Strich sind die Voraussetzungen vorhanden: Düsseldorf hat die bessere Vorrunde gespielt und weiß, wie man enge Spiele über defensive Stabilität trägt. Doch genau das Viertelfinale gegen Berlin wird zur Prüfung, ob diese Basis reicht, wenn die Erwartungen steigen – und ob der DHC im entscheidenden Moment auch offensiv so konsequent ist, dass aus Kontrolle am Ende auch der Schritt nach Bonn wird.

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