Netzwerkformat für Fachkräfte und Frauen
Fachkräftemangel? Unternehmen suchen jetzt Frauen
In Düsseldorf soll eine neue Netzwerkveranstaltung Unternehmen und Frauen zusammenbringen, um Fachkräfteengpässen gezielt zu begegnen. Im Mittelpunkt stehen Quereinstieg, Wiedereinstieg und die Frage, wie Betriebe für weibliche Beschäftigte attraktiver werden – nicht als Imageprojekt, sondern als handfester Faktor für Personalgewinnung und Bindung.
Die Arbeitsgemeinschaft „Frauenerwerbstätigkeit stärken“ lädt am Mittwoch, 11. Juni 2026, ins Berufsinformationszentrum (BIZ) der Agentur für Arbeit Düsseldorf (Grafenberger Allee 300) zur Veranstaltung „Unternehmen sucht Frau: miteinander reden, voneinander lernen – Frauen verändern Wirtschaft“ ein. Angesprochen sind Frauen, die sich für Ausbildung, Neuorientierung sowie Quer- oder Wiedereinstieg interessieren – und zugleich Unternehmen, die zusätzliche Fachkräfte gewinnen wollen.
Austauschformat gegen Engpässe am Arbeitsmarkt
Das Konzept setzt auf direkte Begegnung statt reiner Informationsvermittlung: Frauen sollen konkret erfahren, welche Wege in neue Berufsfelder möglich sind, während Arbeitgeber im Austausch Rückmeldung bekommen, welche Hürden in der Praxis wirken – und wie sich diese abbauen lassen.
„Da setzt die Veranstaltung ›Unternehmen sucht Frau‹ an. Sie soll eine Plattform für Unternehmen und Frauen bieten, um in den gemeinsamen Austausch auf Augenhöhe zu gehen und sich mit Arbeitgebern zu vernetzen. Wir bringen beide Seiten zusammen und miteinander ins Gespräch. Ob Quereinstieg, Wiedereinstieg, Neuorientierung oder Ausbildung – bei uns erfahren Frauen, wie sie sich weiterentwickeln können und in neue spannende Berufsfelder vordringen. Und Unternehmen erfahren, wie sie sich attraktiv für weibliche Beschäftigte aufstellen können.“
Dass es bei der Debatte um „Fachkräftemangel“ in vielen Fällen eher um konkrete Engpässe als um einen flächendeckenden Arbeitskräftemangel geht, spiegelt auch die Fachkräfteengpassanalyse 2025 der Bundesagentur für Arbeit: Bundesweit wurden Engpässe in 157 Berufen festgestellt. Die Aussage dahinter ist für Veranstaltungen wie diese zentral: Wer Personal sucht, muss genauer hinschauen, in welchen Berufen die Lücken besonders groß sind – und welche Gruppen am Arbeitsmarkt bislang nicht in dem Maß erreicht werden, wie es möglich wäre.
Unternehmen sollen sich für Frauen attraktiver aufstellen
Die Veranstaltung adressiert nicht nur die individuelle Frage, wie Frauen neue berufliche Wege einschlagen können. Sie nimmt ebenso die Betriebe in die Pflicht: Wer mehr Frauen gewinnen und langfristig halten will, braucht Rahmenbedingungen, die Erwerbsarbeit realistisch mit Lebensrealitäten vereinbar machen. Genannt werden im Veranstaltungsumfeld vor allem flexible Arbeitszeiten, bessere Bezahlung und mehr Teilhabe im Arbeitsleben.
Der Fokus auf Bezahlung ist dabei mehr als ein politisches Schlagwort. Nach Angaben des Statistischen Bundesamts lag der unbereinigte Gender Pay Gap in Deutschland 2025 bei 16 Prozent. Für Unternehmen bedeutet das: Transparente, nachvollziehbare Vergütungsstrukturen und Entwicklungspfade sind nicht nur ein Gleichstellungsthema, sondern ein Wettbewerbsfaktor – gerade in Branchen, in denen Fachkräfte Auswahlmöglichkeiten haben.
„Gleichstellung und Diversität sind für uns keine Sonderthemen, sondern Selbstverständnisse moderner Unternehmensführung. Wirtschaftlicher Erfolg entsteht dort, wo Menschen faire Chancen erhalten, Verantwortung übernehmen und ihre Perspektiven einbringen können. Mehr Teilhabe im Arbeitsleben ist aus unserer Sicht eine wichtige Voraussetzung für Wohlstand, Wachstum und Zukunftsfähigkeit, besonders auch im Mittelstand.“
Auch aus Sicht der Arbeitsmarktforschung ist die stärkere Erwerbsbeteiligung von Frauen ein relevanter Baustein gegen Engpässe: Eine Studie des Kompetenzzentrums Fachkräftesicherung (KOFA) am Institut der deutschen Wirtschaft zeigt, dass die Zahl der sozialversicherungspflichtig beschäftigten Frauen von 13,1 Millionen (2014) auf 15,6 Millionen (2024) gestiegen ist. Der Trend unterstreicht, dass zusätzliche Fachkräftepotenziale nicht nur theoretisch existieren, sondern bereits wirksam werden – und dass Qualifizierung und passende Arbeitsbedingungen darüber entscheiden, ob dieser Zuwachs auch dort ankommt, wo Betriebe dringend Personal suchen.
Programm setzt auf Praxis, Kontakte und konkrete Gespräche
Beginn ist um 10 Uhr mit dem Check-in im BIZ der Agentur für Arbeit Düsseldorf. Um 10.35 Uhr ist die Begrüßung durch Birgitta Kubsch-von Harten, Vorsitzende der Geschäftsführung der Agentur für Arbeit Düsseldorf, vorgesehen. Um 10.45 Uhr folgt eine Keynote von Dr. Lydia Malin (Institut der Deutschen Wirtschaft Köln). Moderiert wird das Programm von Tabea Schneider (Handwerkskammer Düsseldorf).
- 11 Uhr: Talkrunde „Quereinstieg: Einbahnstraße oder Karriere-Booster?“
- 11.30 Uhr: Vorstellung der teilnehmenden Unternehmen
- 12 Uhr: Round-Tables an Thementischen
- 14 Uhr: Ende des Programms
Die Veranstaltung ist für Frauen kostenfrei. Bei Bedarf wird Kinderbetreuung angeboten – ein Detail, das für die Zielgruppe mehr ist als Service: Wer Wiedereinstieg oder Neuorientierung erreichen will, muss Zugänge schaffen, die auch mit Betreuungspflichten realistisch nutzbar sind.
Anreisehinweise
Als ÖPNV-Haltestelle ist Schlüterstraße/Arbeitsagentur angegeben (unter anderem mit den Linien U72, U73, U83, 709 sowie den Buslinien 725, 733, 810). Parkplätze werden auf der Rückseite des Agenturgebäudes an der Ivo-Beucker-Straße sowie im umliegenden Wohngebiet genannt.
Das Düsseldorfer Format setzt damit auf einen pragmatischen Mechanismus: Betriebe, die konkrete Personallücken spüren, treffen auf Frauen, die Perspektiven suchen – und beide Seiten verhandeln im direkten Gespräch, was Einstieg und Bindung tatsächlich erleichtert. Ob daraus neue Jobs, Wiedereinstiege oder Ausbildungswege entstehen, dürfte sich erst nach dem Termin zeigen.
Häufig gestellte Fragen
Quellen
- https://www.ddorf-aktuell.de/2026/05/29/duesseldorf-frauen-veraendern-wirtschaft-veranstaltung-will-fachkraeftemangel-entgegenwirken/, 29.05.2026
- https://statistik.arbeitsagentur.de/DE/Statischer-Content/Statistiken/Themen-im-Fokus/Fachkraeftebedarf/Generische-Publikationen/Arbeits-und-Fachkraeftemangel-trotz-Arbeitslosigkeit.html
- https://www.destatis.de/DE/Themen/Arbeit/Arbeitsmarkt/Qualitaet-Arbeit/Dimension-1/gender-pay-gap-1.html
- https://www.iwkoeln.de/studien/lydia-malin-anika-jansen-regina-flake-frauen-als-schluessel-zur-fachkraeftesicherung.html
- https://web.arbeitsagentur.de/portal/metasuche/suche/veranstaltungen/10000-2001678481-V

