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Arbeitsmarkt und Frauenförderung in Düsseldorf

Fachkräftemangel? Unternehmen suchen Frauen – und neue Chancen

In Düsseldorf soll eine Veranstaltung Unternehmen und Frauen direkt zusammenbringen. Im Mittelpunkt stehen Quereinstieg, Wiedereinstieg und die Frage, wie sich weibliche Erwerbspotenziale besser für den Arbeitsmarkt erschließen lassen – nicht als Symbolpolitik, sondern als Antwort auf spürbare Personalengpässe.

Am Donnerstag, 11. Juni 2026, organisiert die Arbeitsgemeinschaft „Frauenerwerbstätigkeit stärken“ im Berufsinformationszentrum (BiZ) der Agentur für Arbeit Düsseldorf das Format „Unternehmen sucht Frau: miteinander reden, voneinander lernen – Frauen verändern Wirtschaft“. Die Teilnahme ist für Frauen kostenfrei; eine Anmeldung ist erforderlich. Neben Austausch- und Gesprächsformaten ist bei Bedarf auch eine Kinderbetreuung vorgesehen. Ziel ist der direkte Kontakt zwischen Arbeitgebern und Frauen, die sich neu orientieren, nach einer Pause zurückkehren oder einen Ausbildungsweg prüfen.

Warum das arbeitsmarktpolitisch relevant ist

Die Idee setzt an zwei Realitäten an, die sich im Alltag vieler Betriebe und Beschäftigter überlagern: In zahlreichen Branchen werden Fachkräfte gesucht – zugleich bleiben Arbeitswünsche und Fähigkeiten von Menschen ungenutzt, weil Rahmenbedingungen nicht passen.

Wie groß diese Reserve sein kann, zeigt eine aktuelle Einordnung des Statistischen Bundesamts: Für 2025 weist Destatis ein ungenutztes Arbeitskräftepotenzial von insgesamt rund 4,9 Millionen Personen mit Arbeitswunsch aus (knapp 1,7 Millionen Erwerbslose plus rund 3,2 Millionen Personen in „stiller Reserve“). Gerade in dieser stillen Reserve überwiegen Frauen (55,2 Prozent). Als wichtige Gründe werden bei Frauen betreuungspflichtbedingte Faktoren genannt. Das ist der Kern des Problems: Es geht nicht nur um „Motivation“, sondern um verlässliche Strukturen, die Erwerbsarbeit realistisch möglich machen.

Hinzu kommt ein zweiter, oft unterschätzter Hebel: Wenn Erwerbsarbeit finanziell nicht trägt, wird sie – besonders bei familiären Verpflichtungen – zur Risikoentscheidung. Deutschlandweit lag der unbereinigte Gender Pay Gap 2025 nach Destatis weiterhin bei 16 Prozent; Frauen verdienten im Durchschnitt 22,81 Euro brutto pro Stunde, Männer 27,05 Euro. Solche Unterschiede wirken im Alltag wie eine stille Steuer auf Erwerbsbiografien: Wer weniger verdient, kann sich weniger Spielräume für Kinderbetreuung, Weiterbildung oder den Wechsel in besser bezahlte Tätigkeiten schaffen.

Welche Chancen das Format Frauen konkret bieten soll

Im Mittelpunkt stehen Übergänge: Quereinstieg, Wiedereinstieg, Neuorientierung oder Ausbildung. Für viele Frauen sind das keine abstrakten Schlagworte, sondern konkrete Entscheidungssituationen – oft zwischen dem Wunsch nach beruflicher Entwicklung und der Realität von Zeitfenstern, Betreuungslücken oder der Sorge, nach einer Pause nicht mehr anschlussfähig zu sein. Der praktische Nutzen des Formats liegt deshalb weniger in Hochglanzpräsentationen, sondern im direkten Gespräch: Welche Arbeitszeitmodelle sind tatsächlich möglich? Welche Qualifizierungen werden akzeptiert, welche gefördert? Wie offen sind Unternehmen für nicht-lineare Lebensläufe – und wie wird Leistung im Betrieb gemessen, wenn Karrieren nicht „aus einem Guss“ sind?

Sigrid Wolf, DGB-Vorsitzende und Leiterin der Arbeitsgruppe, beschreibt den Anspruch als Austausch „auf Augenhöhe“ – mit der doppelten Zielrichtung, Frauen konkrete Entwicklungswege aufzuzeigen und Unternehmen dabei zu unterstützen, sich für weibliche Beschäftigte attraktiver aufzustellen.

Zu den teilnehmenden Unternehmen zählt die Schulz & Sohn GmbH. Geschäftsführer und Chief Financial Officer Mark Sethe ordnet das Thema Diversität als Bestandteil moderner Unternehmensführung ein und verknüpft Teilhabe im Arbeitsleben mit Wettbewerbsfähigkeit – gerade im Mittelstand. Auch Fabian Düesmann Larocque, Head of People & Culture, betont die Bedeutung nicht geradliniger Berufswege: In Brüchen und Wechseln steckten häufig Erfahrungen, die Unternehmen im Alltag brauchen – etwa in Kommunikation, Organisation oder Krisenfestigkeit.

Solche Aussagen sind in Zeiten knapper Bewerbermärkte mehr als Imagepflege: Wer Personal gewinnen will, muss häufig Zielgruppen ansprechen, die bislang nicht erreicht wurden – oder die sich bewusst gegen bestimmte Branchen entschieden haben, weil Arbeitszeiten, Bezahlung oder Kultur nicht passten. Ob daraus tatsächlich mehr Beschäftigung entsteht, hängt am Ende an verbindlichen Angeboten: planbaren Schichten, Teilzeit mit Entwicklungsperspektive, Weiterbildung und der Frage, ob Arbeit sich lohnt – nicht nur auf dem Papier, sondern im Monatsbudget.

Was am 11. Juni in Düsseldorf geplant ist

Die Veranstaltung läuft am 11. Juni 2026 von 10 bis 14 Uhr im Berufsinformationszentrum der Agentur für Arbeit Düsseldorf, Grafenberger Allee 300, 40237 Düsseldorf. Moderiert wird das Programm von Tabea Schneider von der Handwerkskammer Düsseldorf.

  • 10:00 Check-in
  • 10:30 Eröffnung durch die Taskforce für Arbeit Düsseldorf
  • 10:35 Begrüßung durch Birgitta Kubsch-von Harten, Vorsitzende der Geschäftsführung der Agentur für Arbeit Düsseldorf
  • 10:45 Keynote von Dr. Lydia Malin vom Institut der Deutschen Wirtschaft Köln
  • 11:00 Best-Practice-Talkrunde: „Quereinstieg: Einbahnstraße oder Karriere-Booster?“
  • 11:30 Vorstellung der anwesenden Unternehmen
  • 11:45 Pause mit Snacks
  • 12:00 Round Tables – Thementische für direkte Gespräche
  • 13:00 Come Together an den Ständen
  • 13:40 Ergebnisvorstellung inklusive Verlosung eines Business-Fotoshootings
  • 14:00 Ende der Veranstaltung

Auch die Anreise ist konkret beschrieben:

  • ÖPNV-Haltestelle Schlüterstraße/Arbeitsagentur (Linien U72, U73, U83, 709)
  • Buslinien 725, 733 und 810

Als Parkmöglichkeiten stehen zur Verfügung:

  • Rückseite des Agenturgebäudes (Ivo-Beucker-Straße)
  • Wohngebiet rund um die Agentur

Die Düsseldorfer Veranstaltung ist damit keine klassische Jobmesse, sondern ein arbeitsmarktbezogenes Vernetzungsformat mit klarer Zielgruppe. Ihr Kern ist der direkte Austausch: Unternehmen suchen Personal, viele Frauen suchen neue berufliche Wege oder den Wiedereinstieg. Ob daraus konkrete Einstellungen, Ausbildungen oder Qualifizierungspläne entstehen, zeigt sich erst nach dem Termin – entscheidend wird sein, welche Zusagen Unternehmen im Gespräch auch in verlässliche Bedingungen übersetzen.

Häufig gestellte Fragen

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