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Industrie zwischen Auftragsplus und Stellenabbau

Industrie überrascht mit Auftragsplus – IAV streicht 1.400 Stellen

Die deutsche Industrie hat im März deutlich mehr neue Bestellungen eingesammelt als im Vormonat. Nach Angaben des Statistischen Bundesamts stiegen die Auftragseingänge gegenüber Februar um fünf Prozent. Ökonomen hatten zuvor lediglich ein Plus von einem Prozent erwartet – die Abweichung macht die Veröffentlichung zu einem kurzfristig positiven Signal für die Industriekonjunktur.

Ein einzelner Monat ist jedoch kein Trendbeweis. Auftragseingänge gelten zwar als Frühindikator, weil sie den Blick auf die kurzfristige Auslastung und die Produktionsplanung vieler Betriebe lenken. Gleichzeitig können Sondereffekte das Bild verzerren – besonders dann, wenn bestimmte Segmente das Gesamtergebnis dominieren.

Auffällig ist, dass der Zuwachs nach der vorliegenden Darstellung vor allem von Bestellungen aus dem Ausland getragen wurde. Das stärkt zwar die Gesamtsumme, sagt aber weniger über eine breite Belebung der Inlandsnachfrage aus. Für die Einordnung ist auch relevant, dass die Industrie demnach derzeit spürbar von Rüstungsaufträgen profitiert. Solche Großaufträge können Auftragsbücher kurzfristig füllen, ohne dass sich daraus automatisch eine gleichmäßig bessere Nachfrage über viele klassische Industriebereiche ableiten lässt.

Hinzu kommt ein geopolitischer Vorbehalt: In der Einschätzung, die dem Material zugrunde liegt, hätten sich mögliche Folgen des Iran-Kriegs in den März-Zahlen noch nicht niedergeschlagen. Damit bleibt offen, ob und in welchem Umfang sich Belastungen erst in späteren Monaten in Auftragseingängen, Lieferketten oder Kosten zeigen könnten.

Wie widersprüchlich die Lage auf Unternehmensebene sein kann, zeigt parallel die Ankündigung des Automobil-Entwicklungsdienstleisters IAV. Die VW-Tochter will bundesweit rund 1.400 Stellen abbauen. Nach Unternehmensangaben soll zudem der Berliner Stammsitz mit über 1.200 Mitarbeitern vollständig geschlossen werden. Die IG Metall erklärte außerdem, dass auch Stollberg in Sachsen von den Plänen betroffen sei.

Unterm Strich zeichnen die Daten und Meldungen ein gemischtes Bild: Der kräftige Auftragsanstieg im März fällt stärker aus als erwartet und stützt die Hoffnung auf eine Stabilisierung. Gleichzeitig deuten die Treiber – Auslandsnachfrage und Rüstungsaufträge – eher auf eine punktuelle Stütze als auf eine breit angelegte Erholung hin. Der angekündigte Stellenabbau bei IAV unterstreicht zudem, dass selbst bei besseren Makrozahlen einzelne Unternehmen unter erheblichem Anpassungsdruck stehen.

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