Featured image for news: Fortuna Düsseldorf vor personellem Umbruch
4 Min. Lesezeit

Fortuna Düsseldorf vor personellem Umbruch

Fortuna vor dem nächsten Einschnitt: Mislintat geht – Arabi als Option für den Neuaufbau

Fortuna Düsseldorf muss nach dem Abstieg in die 3. Liga nicht nur eine sportliche, sondern auch eine strukturelle Zäsur bewältigen. Der Klub hat am 26. Mai offiziell bestätigt, dass sich Sportvorstand Sven Mislintat und Fortuna „im gegenseitigen Einvernehmen“ trennen. Damit fällt eine zentrale Personalentscheidung ausgerechnet in eine Phase, in der der Verein parallel einen tiefgreifenden Kaderumbau organisieren und einen laufenden arbeitsrechtlichen Streit mit dem früheren Trainerteam moderieren muss.

Die Trennung war in den Tagen zuvor bereits erwartet worden. Entscheidend ist nun weniger die Frage, ob der Schnitt kommt – er ist vollzogen –, sondern wie schnell Fortuna die sportliche Steuerung für die kommenden Wochen wieder belastbar aufstellt.

Kaderplanung unter Zeitdruck – und ohne zentrale Leitfigur

Nach dem Abstieg ist der Handlungsspielraum eng getaktet: Anfang August startet die 3. Liga, und Fortuna muss in kurzer Zeit eine Mannschaft formen, die sofort konkurrenzfähig ist. Der Verein hatte noch am 19. Mai in einer offiziellen Mitteilung zur Kaderplanung betont, man arbeite „rund um die Uhr“ und wolle gezielt eine wettbewerbsfähige Struktur für die neue Liga schaffen. In diesem Zusammenhang war öffentlich geworden, dass nur ein kleiner Kern des Kaders für die 3. Liga gebunden ist – und dass die sportliche Leitung kurzfristig eine große Zahl an Entscheidungen treffen muss.

Vor diesem Hintergrund wirkt die Trennung von Mislintat wie ein zusätzlicher Risikofaktor: Ein Umbau dieser Größenordnung braucht klare Prioritäten, schnelle Abstimmungen und eine Person, die Kaderprofile, Budgetrahmen und Verhandlungstaktik zusammenführt. Fällt die Schnittstelle in der Führung weg oder bleibt sie längere Zeit nur kommissarisch besetzt, steigt die Gefahr, dass Transfers später, teurer oder sportlich weniger passgenau werden.

Samir Arabi im Fokus – aber (noch) keine Personalentscheidung kommuniziert

Fortuna hat in der Mitteilung zur Trennung zugleich deutlich gemacht, dass Samir Arabi im Zusammenhang mit der künftigen sportlichen Ausrichtung eine Rolle spielen kann. Arabi (47) war von 2011 bis 2023 Sport-Geschäftsführer bei Arminia Bielefeld und ist seitdem ohne feste Funktion. Eine Verpflichtung wäre damit nicht nur ein Personalwechsel, sondern auch ein Signal, welche Art von Kaderbau und Führungsstil Fortuna in der 3. Liga anstrebt.

Für den Klub ist die operative Frage zentral: Wer trägt in den nächsten Tagen die Verantwortung für die finalen Kaderentscheidungen – und mit welchem Mandat? Gerade in der 3. Liga, in der das Timing bei ablösefreien Spielern, Leihkandidaten und kurzfristigen Marktchancen oft über Wochen entscheidet, kann eine unklare Hierarchie direkte sportliche Folgen haben.

Rechtsstreit mit Markus Anfang und Co-Trainer: juristische Nebenbaustelle mit Wirkung nach innen

Zusätzlich zur sportlichen Neuaufstellung läuft ein arbeitsrechtlicher Konflikt weiter. Markus Anfang und Co-Trainer Florian Junge haben Klage gegen ihre vorzeitige Entlassung eingereicht. Das Arbeitsgericht Düsseldorf bestätigte den Eingang der Klagen am 4. Mai; ein zunächst für den 5. Juni geplanter Gütetermin wurde nach Informationen aus dem Umfeld des Verfahrens wieder gestrichen. Anfangs Rechtsbeistand bestätigte, dass man sich gegen die Kündigung wehrt.

Für Fortuna ist das mehr als eine Randnotiz: Solche Verfahren binden Aufmerksamkeit, können finanzielle Risiken nach sich ziehen und erschweren im Inneren die gewünschte Stabilität – gerade dann, wenn ohnehin zentrale Rollen im sportlichen Management neu sortiert werden. Der Klub muss deshalb zwei Dinge gleichzeitig leisten: nach außen Handlungsfähigkeit zeigen und nach innen die Grundlagen für einen geordneten Neuaufbau schaffen.

Ein Einschnitt zur Unzeit – und jetzt ein Stresstest für die neue Struktur

Die Trennung von Sven Mislintat ist der markanteste Schritt in einer ohnehin turbulenten Post-Abstiegsphase. Fortuna muss in den kommenden Wochen beweisen, dass der sportliche Neuaufbau nicht an Personalfragen hängen bleibt: mit klaren Zuständigkeiten, einer belastbaren Kaderstrategie und der Fähigkeit, juristische Altlasten einzuhegen, ohne den Blick auf den Saisonstart zu verlieren. In der 3. Liga wird nicht die lauteste Ansage entscheiden – sondern die Geschwindigkeit, mit der aus offenen Baustellen wieder ein funktionierender Betrieb wird.

Häufig gestellte Fragen

Veröffentlicht: