Symbolbild mithilfe von KI erstellt
Netzwerkformat zur Fachkräftesicherung
Fachkräftemangel? Warum Frauen jetzt zur Chance für Unternehmen werden
In Düsseldorf soll eine Netzwerkveranstaltung Frauen und Unternehmen zusammenbringen – mit einem sehr konkreten Ziel: Quereinstieg, Wiedereinstieg, Neuorientierung und Ausbildung stärker für die Fachkräftesicherung zu nutzen. Der Ansatz richtet sich dabei nicht nur an potenzielle Bewerberinnen, sondern ebenso an Betriebe, die ihre Arbeitsbedingungen und Karrierewege so aufstellen müssen, dass Fachkräfte nicht nur gewonnen, sondern auch gehalten werden.
Die Arbeitsgemeinschaft „Frauenerwerbstätigkeit stärken“ lädt am 11. Juni 2026 von 10 bis 14 Uhr ins Berufsinformationszentrum (BIZ) der Agentur für Arbeit Düsseldorf (Grafenberger Allee 300, 40237 Düsseldorf) zur Veranstaltung „Unternehmen sucht Frau: miteinander reden, voneinander lernen – Frauen verändern Wirtschaft“ ein. Geplant ist ein Format, bei dem Frauen und Arbeitgeber direkt ins Gespräch kommen – genau dort, wo sich in vielen Branchen die Engpässe zuspitzen: bei der Besetzung offener Stellen und bei der Frage, welche Rahmenbedingungen nötig sind, damit Beschäftigung im Alltag realistisch wird.
Ein Vernetzungsformat mit klarem Arbeitsmarktbezug
Hinter der Arbeitsgemeinschaft stehen in Düsseldorf mehrere Institutionen aus Arbeitsmarkt, Wirtschaft und Interessenvertretung, darunter Agentur für Arbeit, Jobcenter, IHK, Handwerkskammer, DGB, die Stadt Düsseldorf, Competentia DUS|ME sowie die Unternehmerschaft Düsseldorf und Umgebung. Diese Bündelung ist mehr als ein organisatorisches Detail: Sie zeigt, dass Fachkräftesicherung längst nicht nur als Personalthema einzelner Unternehmen gesehen wird, sondern als regionale Standortfrage – mit Schnittstellen zu Qualifizierung, Gleichstellung und Beschäftigungsbedingungen.
Sigrid Wolf, DGB-Vorsitzende und Leiterin der Arbeitsgruppe, beschreibt den Anspruch so: „Da setzt die Veranstaltung ‚Unternehmen sucht Frau‘ an. Sie soll eine Plattform für Unternehmen und Frauen bieten, um in den gemeinsamen Austausch auf Augenhöhe zu gehen und sich mit Arbeitgebern zu vernetzen. Wir bringen beide Seiten zusammen und miteinander ins Gespräch. Ob Quereinstieg, Wiedereinstieg, Neuorientierung oder Ausbildung – bei uns erfahren Frauen, wie sie sich weiterentwickeln können und/oder in neue spannende Berufsfelder vordringen können.“
Dass die Veranstalter den Austausch so stark auf Übergänge im Erwerbsleben zuschneiden, passt zu der Lage auf dem Arbeitsmarkt: Im DIHK-Fachkräftereport 2025/2026 berichten rund 36 Prozent der befragten Unternehmen, dass sie offene Stellen zumindest teilweise nicht besetzen können. Als Gegenmaßnahmen nennen Unternehmen unter anderem eine höhere Erwerbstätigkeit von Frauen – nicht als Symbolpolitik, sondern als handfestes Potenzial, um Lücken in Teams, Werkstätten, Büros und sozialen Dienstleistungen zu schließen.
Unternehmen suchen Personal, Frauen suchen passende Rahmenbedingungen
Der Düsseldorfer Ansatz bleibt nicht bei der Rekrutierung stehen. Er setzt an den Gründen an, warum vorhandenes Potenzial in der Praxis oft nicht in Beschäftigung übersetzt wird. Genannt werden unflexible Arbeitszeiten und schlechte Bezahlung – Faktoren, die besonders dann ins Gewicht fallen, wenn Erwerbsarbeit mit Familien- und Sorgearbeit koordiniert werden muss oder wenn ein Wiedereinstieg nach längerer Unterbrechung an Planbarkeit scheitert.
Hinzu kommt ein struktureller Befund, der die wirtschaftliche Dimension unterstreicht: Nach Angaben des Statistischen Bundesamts lag der unbereinigte Gender Pay Gap in Deutschland 2025 bei 16 Prozent; Frauen kamen im Durchschnitt auf 22,81 Euro Bruttostundenverdienst, Männer auf 27,05 Euro. Für Unternehmen ist das nicht nur eine Gleichstellungskennzahl, sondern ein Signal in Richtung Arbeitgeberattraktivität: Wer Fachkräfte gewinnen will, muss nachvollziehbare Entwicklungspfade, transparente Gehaltsstrukturen und echte Perspektiven anbieten – sonst bleiben Stellen unbesetzt oder Fluktuation steigt.
Auch Forschung aus dem Institut der deutschen Wirtschaft (KOFA/IW) weist in diese Richtung: Frauen gelten dort als Schlüssel zur Fachkräftesicherung, insbesondere über Wieder- und Quereinstiegswege. Entscheidend ist demnach, dass Qualifikationen im Job tatsächlich genutzt werden – also nicht in Tätigkeiten „unter Niveau“ versanden – und dass Weiterbildung sowie klare Karrierepfade den Übergang in Fachkräftepositionen realistisch machen. Genau an dieser Stelle kann ein Vernetzungsformat Wirkung entfalten: Es schafft Kontakt, senkt Informationshürden und konfrontiert Unternehmen zugleich mit der Erwartung, Rahmenbedingungen konkret zu verbessern.
Zu den angekündigten teilnehmenden Unternehmen gehört die Schulz & Sohn GmbH. Geschäftsführer und Chief Financial Officer Mark Sethe sagt: „Gleichstellung und Diversität sind für uns keine Sonderthemen, sondern Selbstverständnisse moderner Unternehmensführung. Wirtschaftlicher Erfolg entsteht dort, wo Menschen faire Chancen erhalten, Verantwortung übernehmen und ihre Perspektiven einbringen können. Mehr Teilhabe im Arbeitsleben ist aus unserer Sicht eine wichtige Voraussetzung für Wohlstand, Wachstum und Zukunftsfähigkeit, besonders auch im Mittelstand.“
Fabian Düesmann Larocque, Head of People & Culture, ordnet das Thema über klassische Lebensläufe hinaus ein: „Viele berufliche Wege verlaufen heute nicht mehr geradlinig. Genau darin liegen aber oft wertvolle Erfahrungen und Perspektiven. Wir möchten Menschen ermutigen, Chancen zu ergreifen, sich weiterzuentwickeln und ihren Platz im Unternehmen zu finden – unabhängig davon, ob es um Berufseinstieg, Wiedereinstieg oder neue berufliche Wege geht.“
Was Teilnehmerinnen in Düsseldorf erwartet
- 10:00 Uhr: Check-in
- 10:30 Uhr: Eröffnung durch die Taskforce für Arbeit Düsseldorf
- 10:35 Uhr: Begrüßung durch Birgitta Kubsch-von Harten (Vorsitzende der Geschäftsführung der Agentur für Arbeit)
- 10:45 Uhr: Keynote von Dr. Lydia Malin (Institut der Deutschen Wirtschaft Köln)
- 11:00 Uhr: Talkrunde „Quereinstieg: Einbahnstraße oder Karriere-Booster?“
- 11:30 Uhr: Vorstellung der anwesenden Unternehmen
- 11:45 Uhr: Pause mit Snacks
- 12:00 Uhr: Round Tables an Thementischen
- 13:00 Uhr: Come Together an den Ständen
- 13:40 Uhr: Ergebnisvorstellung und Verlosung eines Business-Fotoshootings
- 14:00 Uhr: Ende der Veranstaltung
Für Frauen ist die Teilnahme kostenfrei. Bei Bedarf wird Kinderbetreuung angeboten – ein Punkt, der in der Praxis darüber entscheiden kann, ob solche Angebote für Wiedereinsteigerinnen und Mütter tatsächlich erreichbar sind oder nur auf dem Papier existieren. Genau darin liegt die arbeitsmarktpolitische Relevanz: Nicht nur informieren, sondern Teilnahme ermöglichen.
Auch organisatorisch ist das Angebot auf direkte Begegnung ausgelegt. Das Berufsinformationszentrum der Agentur für Arbeit ist mit öffentlichen Verkehrsmitteln über die Haltestelle Schlüterstraße/Arbeitsagentur erreichbar (Linien U72, U73, U83, 709 sowie die Buslinien 725, 733 und 810). Parkmöglichkeiten gibt es auf der Rückseite des Agenturgebäudes an der Ivo-Beucker-Straße und im Wohngebiet rund um die Agentur.
Die Düsseldorfer Veranstaltung setzt auf ein praktisches Arbeitsmarktformat statt auf abstrakte Debatten. Ob daraus konkrete Beschäftigungschancen entstehen, hängt am Ende an zwei Seiten derselben Gleichung: an der Bereitschaft von Frauen, neue Wege zu gehen – und an der Fähigkeit der Unternehmen, Arbeitsbedingungen zu bieten, die diese Wege dauerhaft tragfähig machen.
Häufig gestellte Fragen
Quellen
- https://www.ddorf-aktuell.de/2026/05/29/duesseldorf-frauen-veraendern-wirtschaft-veranstaltung-will-fachkraeftemangel-entgegenwirken/, 29.05.2026
- https://web.arbeitsagentur.de/portal/metasuche/suche/veranstaltungen/10000-2001678481-V
- https://www.dgb.de/presse/pressemitteilungen/pressemitteilung/frauen-veraendern-wirtschaft-fachkraeftemangel-entgegenwirken/
- https://www.destatis.de/DE/Presse/Pressemitteilungen/2025/12/PD25_453_621.html?templateQueryString=2022
- https://www.dihk.de/de/newsroom/fachkraeftereport-2025-2026-engpaesse-bleiben-eine-herausforderung-159846
- https://www.kofa.de/media/Publikationen/Studien/Engpassanalyse-Frauen_als_Schluessel_zur_Fachkraeftesicherung.pdf

