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Netzwerkformat gegen den Fachkräftemangel

Fachkräftemangel? Unternehmen suchen Frauen

In Düsseldorf soll eine Netzwerkveranstaltung Unternehmen und Frauen direkt zusammenbringen – und damit an einem Punkt ansetzen, an dem der Arbeitsmarkt seit Jahren klemmt: Betriebe suchen Personal, gleichzeitig bleibt Erwerbspotenzial ungenutzt. Das Format richtet sich ausdrücklich an Frauen, die den Wiedereinstieg planen, einen Quereinstieg prüfen oder sich neu orientieren wollen.

Veranstaltungsdetails

Am Donnerstag, 11. Juni 2026, lädt die Arbeitsgemeinschaft „Frauenerwerbstätigkeit stärken“ ins Berufsinformationszentrum (BIZ) der Agentur für Arbeit Düsseldorf (Grafenberger Allee 300) ein. Von 10 bis 14 Uhr sind Gespräche an Thementischen, kurze Bühnenformate und direkte Kontakte zu Unternehmen geplant. Für Arbeitgeber ist das Netzwerktreffen auch eine Standortbestimmung: Wer dringend Fachkräfte sucht, muss häufig mehr bieten als eine offene Stelle – etwa verlässlich planbare Arbeitszeiten, Entwicklungsperspektiven und Rahmenbedingungen, die Vereinbarkeit realistisch machen.

Ablauf

  • 10:00 Uhr: Check-in
  • 10:30 Uhr: Eröffnung und Begrüßung
  • 10:35 Uhr: Ansprache von Birgitta Kubsch-von Harten
  • 10:45 Uhr: Keynote von Dr. Lydia Malin
  • 11:00 Uhr: Talkrunde „Einbahnstraße oder Karriere-Booster?“
  • 11:30 Uhr: Unternehmensvorstellung
  • 12:00 Uhr: Round-Tables
  • 13:00 Uhr: Come Together an den Ständen
  • 13:40 Uhr: Ergebnisvorstellung und Verlosung eines Business-Fotoshootings
  • 14:00 Uhr: Ende der Veranstaltung

Plattform für Wiedereinstieg, Quereinstieg und Ausbildung

Angesprochen sind Frauen, die nach einer Familien- oder Pflegephase zurück in den Beruf möchten, den Wechsel in ein neues Tätigkeitsfeld erwägen oder sich über Ausbildungsmöglichkeiten informieren wollen. Gerade beim Quereinstieg entscheidet in der Praxis weniger ein „perfekter“ Lebenslauf als die Frage, ob Unternehmen bereit sind, Einarbeitung, Qualifizierung und flexible Einstiegsmodelle ernsthaft zu organisieren. Genau hier setzt die Veranstaltung an: Sie will Orientierung geben – und Betriebe mit Bewerberinnen zusammenbringen, die „Lust auf Veränderung“ mitbringen.

Anspruch und Ziele

Sigrid Wolf, DGB-Vorsitzende und Leiterin der Arbeitsgruppe, beschreibt den Anspruch der Veranstaltung so: „Da setzt die Veranstaltung ‚Unternehmen sucht Frau‘ an. Sie soll eine Plattform für Unternehmen und Frauen bieten, um in den gemeinsamen Austausch auf Augenhöhe zu gehen und sich mit Arbeitgebern zu vernetzen. Wir bringen beide Seiten zusammen und miteinander ins Gespräch. Ob Quereinstieg, Wiedereinstieg, Neuorientierung oder Ausbildung – bei uns erfahren Frauen, wie sie sich weiterentwickeln können und/ oder sie in neue spannende Berufsfelder vordringen können. Und Unternehmen erfahren, wie sie sich attraktiv für weibliche Beschäftigte aufstellen können.“

Angebot für Teilnehmerinnen

Für Teilnehmerinnen ist das Angebot kostenfrei. Bei Bedarf wird Kinderbetreuung angeboten – ein Detail, das für die Praxis entscheidend sein kann: Wenn Erwerbsarbeit an Betreuung scheitert, helfen Appelle wenig; ohne konkrete Entlastung bleiben viele Angebote für genau die Zielgruppe schwer nutzbar.

Fachkräftemangel trifft auf ungenutztes Potenzial

Der Druck auf den Arbeitsmarkt ist messbar. Nach Angaben der Bundesagentur für Arbeit gab es 2024 bundesweit 163 Berufe mit Fachkräfteengpass. Besonders betroffen waren Pflege- und Gesundheitsberufe, Bau- und Handwerksberufe sowie weitere Tätigkeiten, in denen offene Stellen über längere Zeit nicht besetzt werden können. Zugleich verweist die Engpassanalyse der BA auf eine strukturelle „Zweiteilung“: Trotz Arbeitslosigkeit bleiben viele Stellen unbesetzt – etwa weil Qualifikationen nicht passen oder Arbeitsbedingungen nicht attraktiv genug sind.

Parallel dazu zeigt sich ein erhebliches Reservoir an Menschen, die grundsätzlich arbeiten wollen oder könnten, aber nicht oder nicht sofort in Beschäftigung sind. Das Statistische Bundesamt bezifferte für 2025 rund 4,9 Millionen Nichterwerbstätige im Alter von 15 bis 74 Jahren mit Arbeitskräftepotenzial, darunter Personen in der sogenannten Stillen Reserve. Bei Frauen waren Betreuungspflichten ein zentraler Grund dafür, nicht oder noch nicht zu arbeiten. Für Veranstaltungen wie in Düsseldorf ist diese Zahl mehr als ein abstrakter Wert: Sie markiert den Bereich, in dem es konkret um planbare Arbeitszeiten, verlässliche Betreuungsarrangements und passende Einstiegsmodelle geht – also um Bedingungen, die darüber entscheiden, ob „Potenzial“ tatsächlich zu Beschäftigung wird.

Auch die Einkommensrealität ist Teil des Problems. Nach Zahlen von Destatis lag der unbereinigte Gender Pay Gap 2025 bei 16 Prozent; Frauen verdienten im Durchschnitt 22,81 Euro pro Stunde, Männer 27,05 Euro. Solche Unterschiede wirken sich auf Entscheidungen in Familien unmittelbar aus – etwa, wer bei Betreuungsengpässen zuerst Arbeitszeit reduziert. Wenn Unternehmen mehr Frauen gewinnen wollen, reicht es deshalb nicht, nur Stellen auszuschreiben: Es geht auch darum, ob Arbeit finanziell trägt und Entwicklungschancen realistisch sind.

Akteure und Moderation

Getragen wird das Format von mehreren Akteuren aus Arbeitsmarkt, Wirtschaft und Stadtgesellschaft. Beteiligt sind unter anderem:

  • IHK Düsseldorf
  • Handwerkskammer Düsseldorf
  • DGB-Stadtverband Düsseldorf
  • Amt für Gleichstellung und Antidiskriminierung der Landeshauptstadt Düsseldorf
  • Jobcenter Düsseldorf
  • Agentur für Arbeit Düsseldorf

Moderiert wird das Programm von Tabea Schneider (Handwerkskammer Düsseldorf).

Teilnehmende Unternehmen

Als teilnehmendes Unternehmen ist unter anderem die Schulz & Sohn GmbH angekündigt, ein Düsseldorfer Mittelständler im B2B-Handel mit Chemie-Erzeugnissen. Geschäftsführer und Chief Financial Officer Mark Sethe sagt: „Gleichstellung und Diversität sind für uns keine Sonderthemen, sondern Selbstverständnisse moderner Unternehmensführung. Wirtschaftlicher Erfolg entsteht dort, wo Menschen faire Chancen erhalten, Verantwortung übernehmen und ihre Perspektiven einbringen können. Mehr Teilhabe im Arbeitsleben ist aus unserer Sicht eine wichtige Voraussetzung für Wohlstand, Wachstum und Zukunftsfähigkeit, besonders auch im Mittelstand.“

Fabian Düesmann Larocque, Head of People & Culture, knüpft an den Wandel von Erwerbsbiografien an: „Viele berufliche Wege verlaufen heute nicht mehr geradlinig. Genau darin liegen aber oft wertvolle Erfahrungen und Perspektiven. Wir möchten Menschen ermutigen, Chancen zu ergreifen, sich weiterzuentwickeln und ihren Platz im Unternehmen zu finden – unabhängig davon, ob es um Berufseinstieg, Wiedereinstieg oder neue berufliche Wege geht.“

Anreise und Parkmöglichkeiten

Der Veranstaltungsort ist mit dem ÖPNV über die Haltestelle Schlüterstraße/Arbeitsagentur erreichbar:

  • Straßenbahnlinien U72, U73, U83, 709
  • Buslinien 725, 733, 810

Parkmöglichkeiten nennen die Veranstalter an der Rückseite des Agenturgebäudes an der Ivo-Beucker-Straße sowie im Wohngebiet rund um die Agentur.

Fazit

Das Düsseldorfer Netzwerktreffen ist damit kein allgemeines Karriereevent, sondern ein arbeitsmarktpolitisch klar ausgerichteter Versuch, Angebot und Nachfrage direkter zusammenzubringen. Ob daraus konkrete Beschäftigung entsteht, wird sich erst nach den Gesprächen zeigen. Der Maßstab ist jedoch eindeutig: Wenn Betriebe Frauen als Fachkräfte gewinnen wollen, müssen sie nicht nur rekrutieren, sondern Arbeitsbedingungen schaffen, die Lebensrealitäten abbilden – und den Einstieg so organisieren, dass aus Interesse auch tatsächlich ein Job werden kann.

Häufig gestellte Fragen

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