Veranstaltung zu Frauen und Fachkräftesicherung
Fachkräftemangel? Unternehmen entdecken Frauen als Schlüssel zur Zukunft
In Düsseldorf soll eine Veranstaltung Frauen mit Unternehmen zusammenbringen, die Personal suchen. Das Format setzt auf Quereinstieg, Wiedereinstieg und direkte Gespräche – und knüpft damit an eine arbeitsmarktpolitische Debatte an, in der Frauen seit Jahren als wichtiges Beschäftigungspotenzial gelten.
Am Donnerstag, 11. Juni 2026, organisiert die Arbeitsgemeinschaft „Frauenerwerbstätigkeit stärken“ im Berufsinformationszentrum (BiZ) der Agentur für Arbeit Düsseldorf die Veranstaltung „Unternehmen sucht Frau: miteinander reden, voneinander lernen – Frauen verändern Wirtschaft“. Das kostenfreie Angebot richtet sich an Frauen, die sich beruflich neu orientieren, wieder einsteigen oder eine Ausbildung in den Blick nehmen. Zugleich sollen Unternehmen erfahren, wie sie für weibliche Beschäftigte attraktiver werden können. Die Bundesagentur für Arbeit führt die Veranstaltung im eigenen Portal und nennt dort auch Kontakt- und Organisationsdetails.
Warum das Format auf direkten Austausch setzt
Der Ansatz ist bewusst praxisnah. Statt bei allgemeinen Appellen zu bleiben, bringt die Veranstaltung beide Seiten an einen Ort: Frauen, die nach neuen beruflichen Wegen suchen, und Arbeitgeber, die Personal gewinnen wollen.
Geplant sind unter anderem:
- Keynote
- Best-Practice-Talkrunde zum Quereinstieg
- Unternehmensvorstellungen
- Round-Tables
Sigrid Wolf, im Programm als DGB-Vorsitzende und Leiterin der Arbeitsgruppe benannt, beschreibt das Ziel der Veranstaltung so: „Da setzt die Veranstaltung ‚Unternehmen sucht Frau‘ an. Sie soll eine Plattform für Unternehmen und Frauen bieten, um in den gemeinsamen Austausch auf Augenhöhe zu gehen und sich mit Arbeitgebern zu vernetzen. Wir bringen beide Seiten zusammen und miteinander ins Gespräch. Ob Quereinstieg, Wiedereinstieg, Neuorientierung oder Ausbildung – bei uns erfahren Frauen, wie sie sich weiterentwickeln können und/oder sie in neue spannende Berufsfelder vordringen können. Und Unternehmen erfahren, wie sie sich attraktiv für weibliche Beschäftigte aufstellen können.“
Dahinter steht eine arbeitsmarktpolitische Logik, die in vielen Regionen an Bedeutung gewinnt: Nicht nur offene Stellen zählen, sondern auch die Bedingungen, unter denen Menschen überhaupt in Arbeit kommen oder bleiben. Wenn Unternehmen etwa über Arbeitszeitmodelle, Entwicklungspfade oder Zugänge für Quereinsteigerinnen sprechen, geht es am Ende um den Abbau von Hürden – und damit um die Frage, wie sich Fachkräftepotenziale tatsächlich erschließen lassen.
Die Veranstaltungsbeschreibung nennt als Träger der Arbeitsgruppe mehrere regionale Institutionen und Partner, darunter:
- Agentur für Arbeit Düsseldorf
- Jobcenter
- IHK Düsseldorf
- Handwerkskammer Düsseldorf
- Gleichstellungsamt Düsseldorf
Welche Hürden im Hintergrund stehen
Im Umfeld der Veranstaltung werden zwei Entwicklungen miteinander verknüpft: Einerseits fehlen in vielen Bereichen Arbeits- und Fachkräfte, andererseits wird Frauenbeschäftigung als bislang nicht vollständig genutztes Potenzial beschrieben. Als zentrale Barrieren nennt das Konzept unflexible Arbeitszeiten und schlechte Bezahlung – zwei Faktoren, die in der Praxis häufig darüber entscheiden, ob sich ein (Wieder-)Einstieg lohnt oder organisatorisch überhaupt machbar ist.
Hinzu kommt ein struktureller Befund, der die Debatte um „Attraktivität“ von Arbeit konkret macht: Frauen verdienen im Schnitt weniger als Männer. Das Statistische Bundesamt bezifferte den unbereinigten Gender Pay Gap für 2025 auf 16 Prozent. Für Betroffene ist das keine abstrakte Kennzahl: Wenn Lohnunterschiede, Teilzeitmodelle und längere Erwerbsunterbrechungen zusammenkommen, beeinflusst das unmittelbar finanzielle Eigenständigkeit, Altersvorsorge und die Bereitschaft, in Weiterbildung oder Branchenwechsel zu investieren. Genau hier setzt das Düsseldorfer Format an – nicht mit großen Versprechen, sondern mit Gesprächen, in denen Anforderungen und Möglichkeiten möglichst konkret werden sollen.
Welche Unternehmen auftreten – und was sie daran interessiert
Zu den teilnehmenden Unternehmen gehört laut Programm die Schulz & Sohn GmbH. Mark Sethe wird als Geschäftsführer und Chief Financial Officer genannt und ordnet das Thema in eine Managementperspektive ein: „Gleichstellung und Diversität sind für uns keine Sonderthemen, sondern Selbstverständnisse moderner Unternehmensführung. Wirtschaftlicher Erfolg entsteht dort, wo Menschen faire Chancen erhalten, Verantwortung übernehmen und ihre Perspektiven einbringen können. Mehr Teilhabe im Arbeitsleben ist aus unserer Sicht eine wichtige Voraussetzung für Wohlstand, Wachstum und Zukunftsfähigkeit, besonders auch im Mittelstand.“
Im Programm findet sich zudem ein weiteres Zitat eines Unternehmensvertreters, das die Leitidee des Formats aufgreift: Berufswege verliefen heute oft nicht mehr geradlinig; gerade darin könnten aber wertvolle Erfahrungen liegen. In der Sache trifft das einen Kern des Quereinstiegs-Themas: Viele Betriebe suchen nicht nur „fertige“ Profile, sondern Wege, Kompetenzen aus anderen Branchen schneller nutzbar zu machen – etwa über Qualifizierung, Einarbeitung und realistische Entwicklungsstufen. Ob und wie das im Einzelfall gelingt, hängt allerdings von konkreten Rahmenbedingungen ab: planbare Arbeitszeiten, transparente Einstiegsmodelle und verlässliche Perspektiven sind für viele Wiedereinsteigerinnen entscheidender als wohlklingende Leitbilder.
Was Teilnehmerinnen in Düsseldorf konkret erwartet
Die Veranstaltung findet am 11. Juni 2026 von 10 bis 14 Uhr im BiZ der Agentur für Arbeit Düsseldorf an der Grafenberger Allee 300 (40237 Düsseldorf) statt. Der Ablauf ist eng getaktet:
- 10:00 Uhr: Check-in, anschließend Eröffnung und Begrüßung
- 10:45 Uhr: Keynote von Dr. Lydia Malin (Institut der Deutschen Wirtschaft Köln)
- 11:00 Uhr: Talkrunde „Quereinstieg: Einbahnstraße oder Karriere-Booster?“
- Unternehmensvorstellungen und Pause mit Snacks
- 12:00 Uhr: Round-Tables
- 13:00 Uhr: „Come Together“ an den Ständen
- 13:40 Uhr: Ergebnisvorstellung sowie Verlosung eines Business-Fotoshootings
- Moderation durch Tabea Schneider (Handwerkskammer Düsseldorf)
Für Teilnehmerinnen ist das Angebot kostenfrei; bei Bedarf ist Kinderbetreuung vorgesehen – ein Detail, das für viele Interessierte praktisch entscheidend sein dürfte, weil es überhaupt erst ermöglicht, Gesprächs- und Bewerbungsformate wahrzunehmen.
Auch die Anreise ist konkret beschrieben:
- ÖPNV-Haltestelle: Schlüterstraße/Arbeitsagentur (Linien U72, U73, U83, 709; Buslinien 725, 733, 810)
- Parkmöglichkeiten: Rückseite des Agenturgebäudes an der Ivo-Beucker-Straße sowie im Wohngebiet rund um die Agentur
Der Nutzen für Interessierte liegt damit weniger in einer abstrakten Debatte als in einem klar strukturierten Kontaktformat: Frauen können Unternehmen direkt ansprechen, sich über Einstiegswege informieren und berufliche Perspektiven ausloten. Für Arbeitgeber ist es eine Gelegenheit, sichtbar zu machen, welche Arbeitsmodelle sie anbieten und ob sie Hürden, die häufig genannt werden (Arbeitszeit, Bezahlung, Entwicklungschancen), tatsächlich adressieren.
Die Veranstaltung ist damit vor allem als pragmatisches Vernetzungsangebot angelegt. Ob daraus konkrete Beschäftigungsperspektiven entstehen, wird sich im direkten Austausch zwischen Unternehmen und Teilnehmerinnen zeigen. Klar ist: Frauenerwerbstätigkeit wird hier ausdrücklich als Baustein der Fachkräftesicherung verhandelt – und nicht nur als Gleichstellungsfrage.
Häufig gestellte Fragen
Quellen
- https://www.ddorf-aktuell.de/2026/05/29/duesseldorf-frauen-veraendern-wirtschaft-veranstaltung-will-fachkraeftemangel-entgegenwirken/, 29.05.262026
- https://web.arbeitsagentur.de/portal/metasuche/suche/veranstaltungen/10000-2001678481-V
- https://www.destatis.de/DE/Presse/Pressemitteilungen/2025/12/PD25_453_621.html

